Selbstanzeige Finanzamt/Finanzbehörde: Was tun?

Wir sind überzeugt davon, dass Steuerehrlichkeit langfristig in jedem Fall der beste Weg ist.

Steuerstraftaten lassen sich durch aktive Steuerplanung und Steuergestaltung vermeiden. Außer in Ausnahmefällen steht hinter der Steuerstraftat das Motiv der Senkung der Abgabenlast. Schließlich sind Steuern und Sozialabgaben für die meisten Unternehmen und Privatpersonen der größte Kostenblock.

Natürlich lassen sich Steuern oder auch Sozialabgaben senken, oft sogar deutlich. Aber dann heißt es konsequent Planen und in Lösungen zu investieren. Der vermeintlich einfache Weg, die Nichtdeklaration, führt langfristig oft zu Problemen. Die erste Weichenstellung zur Vermeidung der Steuerstraftat ist daher das eiserne Prinzip, erst Steuern planen und gestalten, dann agieren - so bleibt die Steuer überschaubar.

Problemsituation

Nun kann es aber sein, dass aus der Vergangenheit bereits Weichen falsch gestellt sind:

  • nicht deklarierte Stiftungen in Liechtenstein
  • schwarze Konten in der Schweiz
  • nicht abgeführte Umsatzsteuer auf Umsätze
  • nicht angemeldete Mitarbeiter

Was tun?

Der Königsweg ist die Selbstanzeige mit Straffreiheit als Ergebnis. Es gilt aber von einem kompetenten Berater prüfen zu lassen, ob dieser Weg auch den erwünschten Erfolg erreicht. In seltenen Fällen ist dies nicht möglich. Aber auch dann lässt sich die Situation zumindest verbessern.

Gerne helfen wir Ihnen die richtige Entscheidung zu fällen. Unser Ziel ist es dabei den Weg in die Steuerehrlichkeit zu ebnen.

Ist die Selbstanzeige vollständig und zahlen Sie die geforderten Beträge nebst Zins und ggf. Zuschlägen nach, bleiben Sie straffrei - respektive von Strafe verschont.

Die notwendigen Schritte

Sammlung der notwendigen Informationen

Auflistung was eigentlich passiert, welche Sachverhalte sind bisher nicht offengelegt. Schnell übersieht man ein Konto im Ausland oder gar Grundstücke. Hier helfen unsere Berater gern bei der Zusammenstellung.

Bitte beachten Sie - gerade für Schweiz/Liechtenstein-Fälle - folgenden Hinweis:

Transportieren Sie vor der Selbstanzeige keine Unterlagen über die Grenze. Eine Kontrolle kann Ihren Plan zur Selbstanzeige sehr schnell durchkreuzen. Gerne unterstützen wir Sie durch die Übergabe der Unterlagen im Quellland, bspw. durch kooperierende Anwälte in Zürich. So ist kein physischer Transfer der Unterlagen nach Deutschland notwendig. Dies vermeidet unnötiges Risiko für Sie

Erstellung der Selbstanzeige

Aus den vorhandenen Unterlagen / Informationen wird die sogenannte Selbstanzeige geschrieben. Gerade in komplexeren Fällen ist es notwendig, hier vorerst großzügig zu schätzen und Details später zu ergänzen. Warum? Sie haben meist nur eine Möglichkeit zur Selbstanzeige, ist diese betragsmässig nicht ausreichend oder fehlen Sachverhalte, verhindert dies die Straffreiheit.

Ziel ist es in diesem Schritt, alle Sachverhalte zu erkennen. Wenn exakte Informationen vorliegen, können diese selbstverständlich direkt einfließen. Bei Unsicherheiten ist es aber sinnvoller, sich auf die Erkennung aller Sachverhalte und eine ausreichende Schätzung zu konzentrieren.

Durch dieses Vorgehen lässt sich bereits in diesem Schritt erkennen, welche Nachzahlung im schlimmsten Fall entstehen könnte. Sofern strategisch sinnvoll, kann eine Zahlung bereits jetzt geleistet werden.

Abgabe der Selbstanzeige

Abgabe der Selbstanzeige. Nun haben Sie Ihre Einkünfte vollständig nachdeklariert und können erst einmal aufatmen. Gemeinsam ist nun das Ziel, die finanziellen Auswirkungen der Selbstanzeige zu begrenzen. Dies ist immer noch möglich.

Zudem senkt eine frühest mögliche Abgabe das Risiko einer Wirkungslosigkeit der Selbstanzeige durch die Einleitung eines Verfahrens seitens der Finanzverwaltung aufgrund von externen Verdachtsmomenten.

Analyse weitere Detailinformationen

Alle Sachverhalte sind offengelegt, es können nun gefahrlos Unterlagen transportiert und verarbeitet werden. Daher ist es an der Zeit, Details zu analysieren und einzelne Werte zu präzisieren.

Reaktion der Finanzbehörden

In vielen Fällen wird an dieser Stelle ein Schreiben der Straf- und Bußgeldstelle eingehen, in dem weitere Informationen angefordert werden. Soweit erforderlich oder geboten, werden diese geleistet.

Fast immer gehen dann die neuen Steuerbescheide nebst einem Bescheid über die sog. Hinterziehungszinsen (6% p.a.) und falls zutreffend das Bußgeld (5% für die Jahre in denen über 50.000 Euro hinterzogen worden)ein.

Bezahlung der Forderungen der Finanzbehörden

Die hinterzogenen Beträge sind nach der Festsetzung zu bezahlen. Dies ist  Voraussetzung der Straffreiheit. Dies gilt unabhängig von deren Korrektheit. Parallel startet selbstverständlich die Überprüfung der geforderten Summe. Um ggf. auch nachträglich Änderungen geltend machen zu können, wird ein Einspruchsverfahren eingeleitet.

Nachreichung der Ergebnisse der Analyse der Detailinformationen

Im Rahmen des Einspruchsverfahrens werden der Finanzbehörde die Ergebnisse der Detailanalysen übermittelt. Hierdurch werden die - gegebenenfalls in einzelnen Sachverhalten sicherheitshalber großzügig bemessenen - Schätzungen korrigiert.

Rückerstattung

Da in den ersten Schritten die Wirksamkeit und die Zeit bis zur Abgabe der Selbstanzeige im Fokus stehen, ergibt sich im Rahmen der Übermittlung der Detailergebnisse eine Minderung der geschuldeten Beträge. Diese werden im letzten Schritt von den Finanzbehörden zurückerstattet.

Anschließende Optimierung der Anlagestrategie

Nicht selten stand die Effizienz des Portfolios aufgrund der Mittelherkunft nicht im Fokus der Bemühungen der Anlageinstitutionen. Daher ist eine Überarbeitung der Anlagestrategien nach Abschluss des Verfahrens dringend zu empfehlen.

Fazit

Der Weg in die Steuerehrlichkeit ist durchaus standardisiert. Das große Risiko ist das Nichterkennen von relevanten Sachverhalten und steuerstrafrechtliche Verfahrensfehler.

Bei uns im Haus wird daher jeder Fall von einem Team aus einem steuerstrafrechtlich erfahrenen Anwalt und einem gestaltungsorientierten Steuerberater bearbeitet. Auf diese Weise stellen wir sicher, dass alle relevanten Details und Sachverhalte erkannt werden. Das Risiko besteht unter anderem darin, sich auf das Vordergründige (also dem Mandanten bekannte) zu konzentrieren und auf die Prüfung etwaiger weiterer vom Mandanten nicht genannte Sachverhalte zu verzichten. Ebenso wichtig ist die Kenntnis verfahrensrechtlicher Möglichkeiten. Aufgrund der üblichen Haftungsfreistellungen tragen Sie das Risiko, welches trotz dem gesetzten Ziel der Steuerehrlichkeit mehrere Jahre Gefängnis bedeuten kann. Seit der Aufgabe der Teilselbstanzeige ist es nicht mehr straffrei möglich, nachträglich Selbstanzeigen auszuweiten. Daher setzen wir auf die Kombination beider Erfahrungshintergründe, um auch dem Mandanten nicht bewußte Steuerhinterziehungen zu entdecken.

Zusammenfassend ist es empfehlenswert, sich vor einer Selbstanzeige eingehend beraten zu lassen. Der Weg ist bekannt, etwaige Fallen gilt es zu identifizieren. Je nach Finanzamt und Komplexität kann der Vorgang zwischen wenigen Wochen und ein bis zwei Jahren dauern.

Solange uns die Menschlichkeit miteinander verbindet, ist egal was uns trennt.

Ernst Ferstl